Der Garten ist ein kreativer Ort, in dem ich dieses tränende Herz fotografierte

Kreativer Ort – Der Garten

Text © Uschi Erlewein

Aktualisiert: 15. Februar 2022


Eines begleitet mich schon das ganze Leben: die Liebe zu meinem Garten. Bisher habe ich diesen Teil meines Lebens hier im Blog ausgeklammert. Doch sollst du auch darüber was erfahren, denn immer wieder merke ich, wie wichtig mir der Garten als kreativer Ort ist.

Wenn du hier schon länger mitliest, weißt du sicher, ich will Kunst und Leben nicht trennen. Ich finde, alles gehört zusammen. Was mir im Alltag begegnet, schau ich mit den Augen einer Künstlerin an.

Das heißt also, auch wenn ich in meinem Küchengarten „nur“ Gemüse anbaue, lerne ich dort viel über Kreativität und fürs künstlerische Arbeiten.

Der Garten und mein Leben als Künstlerin sind eng miteinander verwoben. Die Farben, Gerüche, Texturen im Garten beeinflussen mein künstlerisches Tun.

Seit ich denken kann, habe ich einen Garten. Mal war er klein, mal groß. Derzeit ist er eher überschaubar, dafür ganz nahe an der Küche und die Gartenarbeit überwältigt mich nicht, auch wenn ich mal weniger Zeit habe.

Nahrung für Leib und Seele

Zeitweise sitze ich ja beim Schreiben oder Recherchieren fürs Geschichtenerzählen viel am Computer. In solchen Zeiten ist mir die Gartenarbeit und Bewegung an der frischen Luft immer ein erholsamer Ausgleich. Deshalb kann man mich oft im Garten finden, zwischen Himbeeren und Pfirsichen, beim Feigen ernten, Salat säen und pikieren.

Der Garten ist mir Rückzugsort und Nahrungsquelle – er nährt sowohl meine Seele, als auch den Körper. Denn dort ernte ich einen Großteil meiner Nahrungsmittel: Salat, Obst, Gemüse – und alles rund ums Jahr. Das gibt mir eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit, dadurch muss ich nicht jeden Auftrag annehmen.

Gartenarbeit bedeutet auch Self Care, es ist ein Möglichkeit für mich zu sorgen. Ich finde, es gibt kaum was, das köstlicher schmeckt, als am Morgen geernteter Salat und frisches Gemüse aus dem Garten.

Verbunden mit dem Sein

Etliche Jahre hatte ich über 20 Bienenvölker. Vor allem im Frühjahr, wenn mir der Duft von Pollen und Blüten in die Nase steigt, vermisse ich die Honigbienen. Heute achte ich darauf, dass ich viele insektenfreundliche Pflanzen im Garten habe, damit die Bienen genug Pollen und Nektar finden. Mittlerweile haben sich deshalb bei mir viele Wildbienen angesiedelt. Oft staune ich, wie anders die sich, im Vergleich zu Honigbienen, verhalten.

Beim Werkeln im Garten denke ich immer, „es ist nicht viel anders, als wenn ich male, nähe, eine Maske baue oder an einer Geschichte arbeite: beim Gestalten fühle ich mich mit der gesamten Schöpfung verbunden, mit der Erde, allen Lebewesen und der Natur.

Deswegen will ich, auch wenn mein derzeitiger Küchengarten klein ist, meinen kleinen Beitrag für die Natur und fürs Klima leisten. Schon immer gärtnere ich biologisch und füttere fleißig die Bodenlebewesen. Selbst nach so vielen Jahren bin ich immer wieder fasziniert, wie aus Pferdemist und meinen gesamten Küchenabfällen fruchtbare Erde entsteht. Im Kompost landen übrigens auch meine geschriebenen Morgenseiten. Seit etlicher Zeit beschäftige ich mich auch viel mit Terra Preta und Pflanzenkohle, die kommt auch mit in den Kompost, um CO₂ in der Erde zu binden.

Ja, wir alle können was fürs Klima tun – auch mit vielen kleinen Schritten kommt man voran!

Der Garten ist ein kreativer Ort, in dem ich dieses tränende Herz fotografierte

Der Garten als Kreativort

Die Gartenkunst hat eine jahrtausende alte Tradition. Wenn du einen Garten anlegst und ihn gestaltest, kannst du deine Kreativität voll ausleben. Ein Garten bietet so viel Raum für Möglichkeiten – er ist wie eine weiße Leinwand. Du kannst mit den Texturen der Pflanzen spielen, mit ihren Farben, Größen und Formen gestalten.

Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat.

Persisches Sprichwort

In diesem kreativen Ort kannst du viele kleine Experimente machen, beobachten was daraus wird und kreativ weiterdenken. Du siehst in absehbarer Zeit Ergebnisse und kannst immer wieder was Neues ausprobieren, neue Räume schaffen und überraschende Dinge entdecken.

Und du kannst dranbleiben und jedes Jahr wieder von neuem beginnen.

Wenn du einen Fehler machst, siehst du recht schnell die Auswirkungen davon. Vieles kannst noch ändern, durch anderes öffnet sich eine neue Tür.

Es gibt im Garten immer viele Dinge, die man nicht beeinflussen kann, mal ist es zu trocken, mal regnet es zu oft oder die Schnecken fressen dein Gemüse auf.

Was auch geschieht: sei flexibel und denke um die Ecke. Kurz: finde kreative Lösungen. Bei jeder neuen Herausforderungen findet sich ein neuer Weg.

Ich denke, der Garten ist ein idealer kreativer Ort, in dem du Erfahrungen mit dem kreativen Prozess machen und wo du Geduld üben kannst.

Der Garten ist ein kreativer Ort, in dem ich dieses tränende Herz fotografierte

Innehalten und Entschleunigung

Im Garten gefällt mir, dass ich dort meine Ruhe habe und im stillen Dialog mit dem Pflanzen sein kann. Ich kann die Pflanzen beim Wachsen beobachten, den Vögeln zuhören und mich über die vielen Regenwürmer freuen.

In Frankreich gibt es ein Sprichwort: „Reculer pour mieux sauter“, d.h. um besser springen zu können, musst du zurück gehen und Abstand nehmen.

Auch im kreativen Tun braucht es immer mal wieder Abstand von deinen künstlerischen Projekten. Wenn du mit der Nase direkt an der Staffelei hängst, siehst du nicht das Ganze – dafür musst du einen Schritt zurück treten, um was zu sehen.

Und genau da kommt mein Garten ins Spiel. Wenn ich z.B. an einer neuen Geschichte für ein Erzählprogramm arbeite und dabei nicht weiterkomme, geh ich in den Garten und wühle in der Erde. Das fokussiert die Gedanken, bringt mich gleich wieder auf neue Gedanken, dabei finde ich Ideen.

Die Arbeit mit den Pflanzen und der Erde ist immer eine Zeit, in der ich gut über künstlerische Projekte nachdenken kann und die mich bodenständig hält. 

Kreativität – Kreation – Schöpferisch sein

Das Wort „Kreativität“ kommt ja vom lateinischen Wort „creare“, es bedeutet: etwas schöpfen, erfinden, erzeugen, herstellen. Kreativität ist also die schöpferische Kraft und Fähigkeit etwas zu erschaffen.

Kreativität und Schöpfung hängen also zusammen.

Vielleicht ist es daher für kreativ Schaffende sinnvoll, die Verbindung zur Natur nicht zu verlieren. Beim Blick in so manche Künstlerbiographie wird deutlich, dass für viele Künstler*innen der Garten ein kreativer Ort ist-war.

Mein Sohn und mein Garten – das sind meine beiden Hauptlehrer in den letzten 18 Jahren.

André Heller
Der Garten ist ein kreativer Ort, in dem ich dieses tränende Herz fotografierte

Die besten Ideen kommen mir im Garten

Kreativität und Garten beschränkt sich nicht nur auf dekorative Elemente oder die Bepflanzung. Du kannst die Gartenarbeit auch als Sinnbild verstehen.

Der Garten hat mich schon so manches gelehrt.

Zum Beispiel, seit ich in Hochbeeten gärtnere, habe ich verstanden, dass ich besser arbeite, wenn ich mir kleine Projekte vornehme. Denn die sind übersichtlich, überwältigen mich nicht und ich kann auch schneller Erfolge sehen.

Oder es gibt diese Tage, an denen ich wenig Lust habe, was zu tun. Auch wenn ich mich schlapp und müde fühle, geh ich in den Garten und schau mir alles an, wie es blüht und wächst. Giesse hier ein wenig, binde dort was an – und schon bin ich ins Tun gekommen und alle Müdigkeit verschwunden.

Das ist was, das mir auch im Atelier hilft, es ist viel einfacher jeden Tag ein wenig zu schreiben, wenigstens kurz ins Atelier zu schauen. Wie oft finde ich mich nach kurzer Zeit völlig eingetaucht im künstlerischen Tun …

➜ Lies weiter: Ins Tun kommen – Häng dir einen Meißel übers Bett

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Wer schreibt hier:

Ich bin Uschi Erlewein und blogge hier über das Leben als freischaffende Künstlerin. Ansonsten bin ich hauptberufliche Erzählerin und habe mich auf Weltgeschichten aus fernen Ländern spezialisiert. Um die Geschichten gut erzählen zu können, reise ich auch schon mal in die Mongolei, aufs Dach der Welt, nach Kirgistan, Bali oder zu indianischen Erzählern.

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