Schreiben für den Kompost
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Schreiben für den Kompost – Jeden Morgen zweckfrei schreiben

Text © Uschi Erlewein

Aktualisiert: 1. August 2021


Schreiben als Übung

Seit über 25 Jahren nehme ich mir Morgens für gut 1 Stunde oder länger Zeit, zum Schreiben. Ich schreibe ohne Zweck, um meinen Geist frei zu machen für die gestalterischen Aufgaben des Tages.

In Amerika nannte ich es immer: „Brushing the teeth of my soul.“ Wie beim morgendlichen Zähneputzen den faden Geschmack von Gestern verlieren. Mich vorbereiten auf das Heute.

Schreiben wie denken

Das Geschriebene ist nicht zum Lesen bestimmt.

Es geht hauptsächlich darum in den Fluss, den Flow, zu kommen und nicht um geschliffene Sprache. Kritikfrei und ohne den Anspruch „gut“ zu sein.

Ich schreibe dabei, wie ich denke und auch spreche.

Gleichzeitig versuche ich auch dabei das intellektuelle Denken auszuschalten.

Kein überlegen, korrigieren, ausformulieren. Nur schreiben, schreiben, schreiben.

Was dabei auf dem Papier landet ist manchmal nicht logisch oder verständlich, manchmal poetisch und überraschend.

Das regelmässige Schreiben wurde mir zu einer lieben Gewohnheit, die mir auch viel durch turbulente Zeiten zu Klarheit verholfen hat. Ich lernte viel über mich und meine Träume. Vor allem verlor ich dadurch nicht den Fokus in meiner künstlerischen Arbeit.

In all den Jahren des Schreibens verstand ich besser und besser, wie ich Dinge ausdrücke. Ich schreibe ja nicht dafür, dass jemand meine Seiten liest – sondern ich schreibe so, wie ich denke und wie ich spreche. Dabei erkenne ich meine Sprache, meinen Atem, meinen Rhythmus.

Das hilft mir sehr beim Erzählen, denn so kann ich den Worten trauen, die über meine Lippen kommen. Ich habe so oft geübt im Fluss der Worte zu treiben, dass sich das eben auch, wie die o.g. Zuschauerin bemerkte, in meinen Erzählaufführungen zeigt. Ich kann mir nicht vorstellen, was für eine Erzählerin ich ohne all diese vollgeschriebenen Bücher wäre.

Schreiben für den Kompost

Kannst du dir vorstellen, wie viele vollgeschriebene Bücher in all den Jahren zusammen kommen? Ein ganzer Schrank ist damit gefüllt. In der Zwischenzeit bekomme ich immer mal wieder einen Rappel, lese die alten Bücher, notiere schöne Gedanken, finde Ideen und Formulierungen – und dann:

ab in den Kompost.

Jaja, du hast schon richtig gelesen: ich häcksle die alten Seiten und kompostiere sie in meinem Garten. Sehr zur Freude der Regenwürmer. Denen schmeckts!

Und die alten Seiten werden zu Dünger für meine Radieschen.
Eingehen in den natürlichen Kreislauf und zu Dünger werden für Zukünftiges.
Damit würdige ich das Geschriebene, die Zeit, die ich damit verbrachte, die Träume und Gedanken, die hinein geflossen sind.

Der Weg des Künstlers

Übrigens wurde ich zu dieser Schreibübung angeregt, als mir vor bald 30 Jahren in den USA das Buch The Artist’s Way * in die Hände fiel. Ich bin sehr dankbar über diese Anregung.

Übersetzt heißt das Buch Der Weg des Künstlers *. Allerdings würde ich jedem empfehlen, das Buch im Original auf englisch zu lesen. Denn die Übersetzung ist zu einem anderen Buch geworden. Bevor das Buch in deutscher Übersetzung veröffentlicht wurde habe ich schon jahrelang mit ihm gearbeitet, kannte es genau und war schockiert darüber, welche Richtung es in der Übersetzung bekommen hatte.

Bei diesem Buch habe ich verstanden, wie man dem Sinn eines Textes mit der Übersetzung eine völlig andere Richtung geben kann. Es ist nicht damit getan, jedes Wort 1:1 zu übersetzen und in eine gute Sprache zu formen.

Seither bin ich äusserst vorsichtig beim Übersetzen von Geschichten und recherchiere auch den Kontext genau.

Lesetipp:

Julia Cameron: The Artist’s Way *, Originalversion auf englisch, ist meiner Meinung besser als die die deutsche Übersetzung

Julia Cameron: Der Weg des Künstlers * 

Julia Cameron: Es ist nie zu spät, neu anzufangen: Der Weg des Künstlers ab 60 *

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Wer schreibt hier:

Ich bin Uschi Erlewein und blogge hier über das Leben als freischaffende Künstlerin. Ansonsten bin ich hauptberufliche Erzählerin und habe mich auf Weltgeschichten aus fernen Ländern spezialisiert. Um die Geschichten gut erzählen zu können, reise ich auch schon mal in die Mongolei, aufs Dach der Welt, nach Kirgistan, Bali oder zu indianischen Erzählern.

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