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Einfach mit Märchen erzählen Geld verdienen – Netter Nebenverdienst?

Text © Uschi Erlewein

Aktualisiert: 23. März 2021


Einfach mit Märchen erzählen Geld verdienen!

  • Netter Nebenverdienst, reich werden mit Märchen
  • Nebenverdienstideen: Werden sie Märchenerzählerin!
  • Job Ideen mit Pfiff: Geschichten erzählen
  • Nebenverdienst durch Märchen erzählen
  • Erzählerjob, ideal auch als zweites Standbein für Freiberufler, Studenten usw.

Immer wieder stolpere ich über solche „Tipps“. Ich sehe sie im Internet, auf Jobportalen, in Tageszeitungen oder Zeitschriften. Auch Anbieter von Märchenerzählworkshops ködern Kursteilnehmer mit solch blumigen Versprechungen. Als hauptberufliche Erzählerin schildere ich dazu mal meine Sichtweise und Gedanken.

Netter Nebenverdienst, einfach mit Märchen erzählen Geld verdienen!

Diesen Satz werde ich in diesem Beitrag umkreisen und lasse ihn mir nun in einzelnen Teilen auf der Zunge zergehen:


1. Netter Nebenverdienst

Die Bedeutung des Wortes „nett“ kann recht unterschiedlich aufgefasst werden.

Positiv gesehen, hat „nett“ die Bedeutung von:

nett = liebenswürdig, ansprechend, angenehm, sympathisch

Märchen erzählen wird von vielen als eine liebenswerte Tätigkeit angesehen. Erinnerungen an die Kindheit steigen auf, die Oma im Schaukelstuhl, wundersame Verwandlungen, die Zeiten „als das Wünschen noch geholfen hat …“ So gesehen ist Märchen erzählen eine „nette Beschäftigung“.

Doch hat „nett“ auch einen bitteren, abwertenden Beigeschmack:

nett = oberflächlich, belanglos, ohne weiteren Anspruch

Die Bedeutung von „nett“ reicht also von:
nett=liebenswürdig
über
nett=nichtssagend
zu
nett=abwertend

Im Zusammenhang mit dem Märchen erzählen finde ich vor allem die Bedeutung „nett = ohne weiteren Anspruch“ recht problematisch.

Wenn jemand Märchen erzählen als belanglos ansieht, gibt er sich auch wenig Mühe. Erzähler, die sich nicht um die Qualität ihrer Darstellung kümmern, tragen nicht dazu bei das Image der Erzählkunst zu verbessern – und letztlich bekommen alle Erzähler die Auswirkungen davon zu spüren.

Nicht selten treffe ich Kinder, denen das Erzählen von solchen Erzählern vermiest wurde und die beim Gedanken an eine Erzählaufführung seufzend die Augen verdrehen.

Artikelfoto: Mit Märchen erzählen Geld verdienen

2. Märchenerzählen als Nebenverdienst

Nebenverdienst, das klingt nach mühelos, nicht arbeitsintensiv.

Wohl gibt es etliche Märchenerzählerinnen, für die das Erzählen Hobby und Nebenbeschäftigung ist.  Oft stecken sie viel Zeit in ihr Hobby, besuchen sie zahlreiche Workshops, Fortbildungen, Festivals, Kongresse und geben viel Geld dafür aus.

Wenn du genau hinschaust, dann stecken sie meist mehr Geld in ihr Hobby, als sie jemals verdienen.

Selbst, wenn du nur nebenberuflich erzählst, wirst du immer auch Ausgaben haben, die du durch die Einnahmen finanzieren musst. Fahrtkosten, Steuer, Bücher, vielleicht eine Visitenkarte, Porto, Website, Kostüm … da kommen schnell viele Hundert €uro im Jahr zusammen.

Lies auch: Soll ich von Beruf Märchenerzählerin werden? – Teil 1.

3. Einfach Märchenerzählen

Neulich sagte jemand zu mir „Da brauchst du doch nur Talent dazu, sprechen kannst du sowieso. Wieso erzählen lernen? …“

Stimmt! Erzählen kann ja jeder!
Doch erzählst du auch gut genug, daß Leute dazu bereit sind, dich dafür zu bezahlen?

Die Kunst des Erzählens ist mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes zu vergleichen. Manche suchen sich einen Lehrer, andere sind Naturtalente und bringen es sich selber bei. Doch ums Üben und Lernen kommt keiner herum.

Lies auch: Märchenerzählerin von Beruf? – Teil 2. Vom Licht und Schatten

4. Einfach Geld verdienen

„Einfach Geld verdienen“ klingt nach wenig Aufwand und Arbeit – und viel Geld.

Leute, denen es hauptsächlich ums Geld geht, das sie mit möglichst wenig Aufwand in einem „netten Nebenjob“ verdienen wollen, täuschen sich da gewaltig.

Märchen erzählen ist viel Arbeit und in jedem Fall mehr als „nur 1 Stunde hinstehen und reden“.

Lies auch: Märchen erzählen ist keine Instantsuppe

Erzähler tun viel dafür, damit sie fähig sind zu erzählen. Vieles davon findet im Verborgenen statt.

Ähnlich wie z.B. Musiker, verbringen sie Stunden mit ihrem täglichen Training: ihre Stimme bilden, Termine organisieren, Werbung und Buchführung, Geschichten suchen und erarbeiten … und … und … und …

Auch bist du nicht die Einzige, die mit dem Märchen erzählen Geld verdienen will, Mitbewerber gibt es genügend:

  • Es gibt in Deutschland schon etliche Profierzähler, die bereits gut etabliert sind
  • Theaterpädagogen bessern durch das Märchen erzählen ihr Einkommen auf
  • Theater decken alle erdenklichen Sparten ab, mittlerweile auch das Märchen erzählen
  • Mancher arbeitslose Schauspieler nimmt jeden Auftrag an, um sich über Wasser zu halten und ist plötzlich auch Geschichtenerzähler
  • Lehrer und Erzieherinnen sind der Meinung, dass sie schon von Berufs wegen Erzähler sind
  • Ausgebildete Sprecher, Rezitatoren touren mit Erzählprogrammen
  • Hobbyerzählerinnen erzählen für einen Apfel und ein Ei
  • Musiker verbinden ihre Musik mit Märchen

Lies auch: Märchenerzählerin werden? – Teil 3. Über Geduld & Hingabe für den Beruf

Artikelfoto: Mit Märchen erzählen Geld verdienen

5. Einfach mit Märchen erzählen Geld verdienen

Solche Aussagen halte ich für unseriös, mit denen werden Erwartungen geweckt, die sich wohl kaum erfüllen.

Einfach mit Märchen erzählen Geld verdienen – Das ist einfacher gesagt, als getan! Bisher ist mir noch keine Märchenerzählerin begegnet, der die Sterntaler aus dem Himmel zufallen. 

Danke Uschi, für diese klaren Worte!

Sigrid Maute ( Märchenfreude )

Wohl höre ich von vielen Erzählerinnen „Einfach ist es nicht, doch es bringt Freude.“ Dass es auch Arbeit ist, vergessen viele, die ein idealisiertes Bild von unserem Beruf haben.

Mehr Info über die berufliche Situation von Kunstschaffenden findest du übrigens bei art but fair.

Derzeit weht im Kulturbereich ein harter Wind. Kunst und Kultur ist leider oftmals der erste Ort in einer Gesellschaft, an dem gespart wird. Du kannst an allen Ecken drastische Sparmaßnahmen im Kulturbereich beobachten: selbst große bekannte Theater und Museen werden geschlossen.

Und diese Entwicklung macht auch vor den Erzählern nicht halt!

Auch beim Märchen erzählen gilt die Regel: von nix kommt nix.

Letztlich überlebst du als Märchenerzähler, wie in jedem anderen künstlerischen Beruf:

  • wenn du bereit bist viel zu arbeiten,
  • wenn du das nötige Handwerk gelernt hast,
  • wenn du viel Zeit und Energie hinein steckst,
  • wenn du es schaffst, immer wieder ins Tun zu kommen
  • wenn du immer weiter lernst,
  • wenn du deine Nische findest,
  • wenn du deinen Stil entwickelst,
  • wenn du gerne unterwegs bist,
  • wenn du bereit bist, lange Arbeitstage zu haben,
  • wenn du Leidenschaft und Ausdauer für die Erzählkunst hast,
  • wenn dich weder Selbstzweifel, noch mangelnde Nachfrage abhalten,
  • wenn du auch in mageren Zeiten weiter dran bleibst,
  • ….

Lesetipp:

Ina Roß : Wie überlebe ich als Künstler?: Eine Werkzeugkiste für alle, die sich selbst vermarkten wollen *

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Wer schreibt hier:

Ich bin Uschi Erlewein und blogge hier über das Leben als freischaffende Künstlerin. Ansonsten bin ich hauptberufliche Erzählerin und habe mich auf Weltgeschichten aus fernen Ländern spezialisiert. Um die Geschichten gut erzählen zu können, reise ich auch schon mal in die Mongolei, aufs Dach der Welt, nach Kirgistan, Bali oder zu indianischen Erzählern.

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